Innotrans 2026: Eine große Messe

Persönliche Worte vorweg

In einer Zeit, in der die Staaten rüsten und sich auf gewaltsamen Streit vorbereiten, war die Innotrans ein Hauch von Frieden: Zwar fehlten Rußland und Weißrussland (auch israelische Aussteller habe ich nicht gesehen), aber es waren so viele Aussteller und Besucher/-innen wie nie zuvor dabei. Menschen aus so vielen Ländern, die so viele Sprachen sprechen und so unterschiedlich aussehen, sprachen und handelten miteinander, ja sie feierten und knüpften Kontakt.
Im Vergleich zur Innotrans vor 10 Jahren waren deutlich mehr Frauen vor Ort, sowohl im Publikum (als Vertreterinnen von EVU, Bestellerorganisationen, Behörden oder interessierte Privatleute) als auch als Repräsentanz der Anbieter. Die Zeit der "Pufferküsser" ist vorbei - auch wenn Fahrsimulatoren weiterhin angeboten wurden - zum Beispiel auf dem Stand der chinesischen Bahn!

Vision, Potential und Wirklichkeit

Schon bei der Anfahrt zur Eröffnungsveranstaltung traf ich eine Kollegin in der U-Bahn. Ohne daß es vorher irgendwie angekündigt wurde, endeten die Züge am Wittenbergplatz, und man sollte den Bus zum Bahnhof Zoo nehmen, von wo aus die U2 Richtung Messe weiter fahre. Der Bus fuhr um viele Ecken und wir liefen dann doch recht weit. Die Beschilderung von der Station bis zur Messe war schlecht, man ging durch Tunnel, die stanken. Wir haben es gerade noch geschafft.
Es war als etwas Besonderes gedacht und viele Handys zückten in die Höhe, als ein Roboter als Dirigent für das Streichquintett auf die Bühne trat. Aber wer genau hinschaute, sah, daß die Musiker und Musikerinnen sich besser nicht danach richten, um nicht aus dem Takt zu kommen!
Frau Palla von der DB war angekündigt, sprach aber nicht auf der Veranstaltung

Als die Messe um 18 Uhr schloss, war vom Ausgang bis zum Bahnsteig der S-Bahn Messe Süd dichtes Gedränge. Panik am Bahnsteig. Die S-Bahn Berlin GmbH hatte zwar die planmäßig in Westkreuz und Charlottenburg endenden Züge bis Olympiastadion fahren lassen und die maximale Zuglänge eingesetzt, es war aber doch nur ein wackeliger 5-Minuten-Takt auf einer Strecke, die für etwa doppelt so viele Fahrten gebaut worden ist. Am Olympiastadion können 8 Züge warten und bei Bedarf eingesetzt werden - aber dafür gibt es offenbar weder Material noch Personal im Jahr 30 nach der Bahnreform. Die Zugausfälle auf der Ringbahn und der U-Bahn, an die sich Berliner/-innen schon gewöhnt haben, haben das britische, polnische, niederländische und östereichische Publikum - von Japan und China gar nicht zu reden - durchaus nachdenklich gemacht.

Wie die Kapazität auf der Stadtbahn mit einfachen Mitteln quasi verdoppelt wird, lesen Sie hier.

Schwerpunkte: Dual Mode, Nachtverkehr und Rationalisierung in Bau und Betrieb

Die großen und die kleinen Hersteller von Rollmaterial haben ihre Triebfahrzeuge vorgestellt. Die meisten bieten Maschinen an, die sowohl unter Fahrdraht als auch ohne, sei es mit Wasserstoff, mit Hilfsdiesel oder einer Batterie weinigstens die letzte Meile am Anschlußgleis oder bis zu 300 km weit im Nahverkehrsnetz fahren können.

Ein Laborzug und ein Neuling sind vorgestellt worden: Demnächst tritt ein privates EVU mit einer Neuentwicklung eines Nachtzugs auf der Verbindung Hamburg - München in das Geschäft ein

Man kann in einer Schicht (nachts) 3 Kilometer Oberbau erneuern. Die Maschinen können das. Leider brauchen sie dazu Anschlußgleise und Weichen, die werden aber leider in Deutschland immer weniger. Deshalb müssen immer öfter Strecken über Monate gesperrt werden.
Es gibt auch schalldämmende Matten für den Raum zwischen Gleis und Schwelle, wenig teurer als die üblichen, mit denen man auf hohe Schallschutzwände verzichten könnte.

Vor zehn Jahren gab es noch sehr bequeme Reisezugwagen zu sehen. Wagen mit Sitzabständen, die zu den Fenstern paßten. So etwas gibt es nicht mehr. Anscheinend wird nur noch gekauft, was so viele Personen wie möglich unterbringt. Auch auf Kosten der Einstiegbereiche und Türen. Das wiederum verlängert die Reisezeiten, weil der Fahrgastwechsel länger dauert....